Das Whole Earth Catalog gehört zu den Drucksachen, die wie ein Magazin aussehen können, aber eigentlich als Werkzeugkasten auf Papier funktionieren. Die Wikipedia-Seite nennt den 1. September 1968 als erstes Erscheinungsdatum; die Internet-Archive-Metadaten bezeichnen die komplette erste Ausgabe ausdrücklich als Whole Earth Catalog (fall 1968). Für Reetro ist genau diese erste Ausgabe spannend, weil sie Print nicht als bloße Hülle benutzt, sondern als Infrastruktur: Lesen, Blättern, Vergleichen und Weiterbestellen sind hier Teil derselben Gestaltungsidee.
Ein Katalog aus der Gegenkultur, nicht aus dem klassischen Versandhaus
Das offizielle Whole Earth Index beschreibt sein Archiv als nahezu vollständige Sammlung der Whole-Earth-Publikationen, also einer Reihe von Journalen und Magazinen, die aus dem Whole Earth Catalog hervorgingen und zwischen 1968 und 2002 von Stewart Brand und der POINT Foundation veröffentlicht wurden. Wikipedia ergänzt für die frühe Phase, dass das Projekt zunächst über das Portola Institute lief und später über die Point Foundation, mit Vertriebsvereinbarungen zunächst mit Penguin und danach mit Random House. Schon daran lässt sich ablesen, dass das Objekt nicht bloß improvisierte Hippie-Grafik war, sondern erstaunlich schnell in ein belastbares Publikationssystem hineinwuchs.
Warum das Heft als Printobjekt so anders wirkt
Wikipedia beschreibt den redaktionellen Fokus mit Selbstversorgung, Ökologie, alternativer Bildung, DIY, Community und Holismus; zugleich trug das Projekt den Slogan access to tools. Entscheidend ist aber auch die Form: Das Whole Earth Catalog listete und rezensierte Produkte, verkaufte sie laut Wikipedia jedoch nicht selbst, sondern druckte stattdessen die Kontaktdaten der Anbieter neben die Einträge. Genau dadurch wird die Seite funktional und editorisch zugleich. Der Katalog liest sich nicht wie Werbung im üblichen Sinn, sondern wie ein gestaltetes Netzwerk aus Empfehlungen, Bezugsquellen und Haltung.
Die erste Ausgabe von 1968 als Startpunkt eines Systems
Die Internet-Archive-Metadaten sprechen ausdrücklich von der vollständigen ersten Ausgabe vom Herbst 1968; der Whole Earth Index ordnet sie in eine längere Publikationslinie ein. Wikipedia hält außerdem fest, dass neue Ausgaben zwischen 1968 und 1972 mehrmals pro Jahr erschienen. Das erklärt, warum die erste Ausgabe heute so modern wirkt: Sie ist weniger abgeschlossenes Buch als eine aktualisierbare Oberfläche. Listen, Werkzeuge, Bücher, Maschinen und Bezugsadressen werden in eine Druckform gebracht, die fortlaufend erweitert werden konnte, ohne ihre visuelle Ruhe zu verlieren.
Warum das bis heute nachwirkt
Die Wirkung blieb nicht auf die erste Phase begrenzt. Laut Wikipedia gewann das Last Whole Earth Catalog von Juni 1971 den ersten U.S. National Book Award in der Kategorie Contemporary Affairs; die National Book Foundation führt The Last Whole Earth Catalog ebenfalls als Gewinner von 1972 in genau dieser Kategorie. Für Reetro ist das weniger eine Ehrennotiz als ein Hinweis auf die Qualität des gedruckten Systems: Diese Publikationen verbanden Nützlichkeit mit einer sehr eigenen Bild- und Seitenlogik. Wer solche sachlichen, aber visuell starken Druckoberflächen mag, landet oft auch bei klaren Postern oder reduzierter gerahmter Kunst, die Information nicht versteckt, sondern formbewusst sichtbar macht.