Es gibt Druckobjekte, die fast ohne Text auskommen und trotzdem sofort im Gedächtnis bleiben. Paul Rands Eye-Bee-M-Poster für IBM gehört genau in diese Kategorie. Auf der aktuellen IBM-Design-Seite wird der Rebus ausdrücklich als 1981 von Rand für sein Eye-Bee-M-Poster gestaltet beschrieben, und zwar als visuelle Unterstützung des langjährigen IBM-Mottos „THINK“. Aus Buchstaben werden Bilder: ein Auge für das I, eine Biene für das B, dazu das gestreifte M im Duktus des IBM-Logos.
Ein Poster, das Denken nicht nur erwähnt, sondern auslöst
Die eigentliche Pointe liegt darin, dass das Blatt seine Botschaft nicht platt ausspricht. Laut der University of Michigan Museum of Art zwingt das Poster die Betrachtenden geradezu zum Mitdenken, weil die Marke erst im Kopf zusammengesetzt wird. Dieselbe Quelle hält auch fest, dass Eye-Bee-M Teil von IBMs jahrzehntelanger THINK-Kampagne war. Dass ein Unternehmensposter ausgerechnet über ein kleines Rätsel funktioniert, macht es als Drucksache so stark: Es wirbt nicht durch Lautstärke, sondern durch eine kurze kognitive Verzögerung.
Zwischen Corporate Identity und eigenständigem Sammlerobjekt
Cooper Hewitt beschreibt das Objekt als Offsetlithografie und datiert es auf 1981. Zugleich ordnet das Museum das Poster in den größeren IBM-Kontext ein: In den 1950er-Jahren holte das Unternehmen Eliot Noyes als Designberater, der wiederum Paul Rand engagierte. Rand entwickelte nicht nur das bekannte gestreifte IBM-Logo, sondern auch Verpackungen, Poster und weitere Drucksachen. Eye-Bee-M wirkt deshalb nicht wie ein isolierter Gag, sondern wie ein spätes, sehr konzentriertes Destillat dieser Unternehmensgrafik.
Warum die Datierung selbst interessant ist
Spannend ist, dass Institutionen unterschiedliche Jahreszahlen nennen. IBM und Cooper Hewitt verorten den Entwurf 1981, das Art Institute of Chicago führt sein Exemplar als 1982 gestaltet, und bei Cooper Hewitt ist zusätzlich eine 1991er Copyright-Zeile auf dem Blatt verzeichnet. Die Paul-Rand-Website macht diese Editionsgeschichte noch klarer: Dort ist von einem ursprünglichen Poster von 1981, einer Neuauflage 1982 und einer weiteren Ausgabe 1991 die Rede. Für ein Printobjekt ist das keine Nebensache, sondern Teil seiner Geschichte — gute Druckgrafik bleibt eben oft länger im Umlauf als ihre erste Veröffentlichung.
Warum das zu Reetro passt
Für Reetro ist an Eye-Bee-M besonders reizvoll, wie reduziert und leicht dieses Poster trotz seines Unternehmenskontexts bleibt. Drei Bildzeichen, ein klares Rastergefühl, sehr viel Luft. Wer diese Art von kontrollierter visueller Intelligenz mag, landet heute oft bei großformatigen Postern oder bei ruhig gesetzter gerahmter Kunst, die nicht jede Wirkung ausbuchstabieren muss. Rands Blatt zeigt, wie elegant ein gedrucktes Objekt sein kann, wenn Spiel, Marke und Form in sauberes Gleichgewicht gebracht werden.