Josef Müller-Brockmanns June Festival ist ein gutes Beispiel dafür, wie nüchtern ein Konzertplakat und wie präsent es gleichzeitig sein kann. Das Victoria and Albert Museum führt das Blatt als Poster von 1956 aus der Schweiz, gestaltet von Josef Müller-Brockmann und gedruckt von City-Druck AG in Zürich. Im selben Datensatz nennt das V&A auch das Verfahren: Farb-Offsetlithografie auf Papier, im Format 127,8 × 90,3 cm.
Wofür das Plakat warb
Die V&A-Übersetzung der Plakatinschrift macht den Anlass sehr konkret: beworben wird ein Junifestkonzert der Tonhalle-Gesellschaft Zürich am Dienstag, 26. Juni 1956, dirigiert von Leopold Stokowski. Genannt werden Werke beziehungsweise Namen von Beethoven, Mozart, Leimer und Ravel. Damit ist das Blatt nicht bloß ein allgemeines Musikposter, sondern ein präzise datierter Gebrauchsgegenstand aus dem Zürcher Konzertbetrieb der 1950er-Jahre.
Warum es in der Designgeschichte wichtig ist
Das V&A beschreibt Müller-Brockmanns Handschrift als einen Stil, der auf einfachen geometrischen Rastern, komplementären oder kontrastierenden Farben und serifenlosen Schriften basiert. Das Museum für Gestaltung Zürich ordnet ihn außerdem als einen Pionier des Swiss Style ein, den er in den 1950er- und 1960er-Jahren entscheidend mitprägte. Genau deshalb wirkt June Festival heute noch so aktuell: Das Poster will nicht dekorativ sein, sondern Ordnung sichtbar machen.
Warum das zu Reetro passt
Für Reetro ist daran vor allem die Klarheit interessant. Wer grafische Strenge, reduzierte Farbflächen und typografische Ruhe mag, landet heute oft bei Postern oder großformatiger Leinwand, die weniger über Nostalgie als über Struktur funktionieren. MoMAs Künstlerseite zu Müller-Brockmann zeigt außerdem, wie stark Konzert- und Kulturplakate in seinem Werk der 1950er-Jahre vertreten sind — June Festival steht also nicht isoliert, sondern innerhalb eines größeren modernistischen Poster-Kosmos.